Expertenmeinung zum Thema Produktvideos in Online-Shops.
Ein Artikel von Ulf Unbehaun, Geschäftsführer der Personello GmbH.
Produktvideos sind ein Muss
In Zeiten von DSL kann kein Onlineshop mehr auf Bewegtbildpräsentation verzichten
Lange Zeit war die Darstellung von Produkten im Internet die Domäne der Techniker. Webshops hatten in erster Linie zu funktionieren. Ob die Produkte nun verkaufsfördernd abgebildet waren oder nicht, spielte keine große Rolle. Die ohnehin zu geringen Bandbreiten verhinderten jedwede Diskussion um Darstellungsexperimente.
Puristen in der Defensive
Doch welcher User lässt sich in Zeiten der Flatrates und der nahezu flächendeckenden Versorgung mit DSL von einem einfachen Produktfoto zum Kauf animieren? Die technophilen JPEG-Puristen geraten immer mehr in die Defensive und die Stunde der Kreativen ist gekommen. Die zweidimensionale Darstellung war gestern, den Produktvideos gehört die Zukunft. Dabei gilt es zwei Aufgaben zu lösen. Erstens, das Produkt erlebbarer zu machen und zweitens, den Kunden in eine passende Produktwelt zu entführen.
Ersatz fürs Anfassen
Jeder User kennt es: Konsum darf nicht anstrengend sein, ansonsten ist man weg vom Fenster. Gerade im Internet müssen die Kunden so nah wie möglich an ein Offline-Einkaufserlebnis herangeführt werden. Dort, wo ein Anfassen der Ware nicht möglich ist, müssen Webshopbetreiber dafür sorgen, die Produkt-Erfahrung aus dem stationären Handel nachzuahmen. Mit zweidimensionalen Produktfotos ist dies kaum machbar. Die stärkste Waffe, die dem E-Commerce-Händler dafür momentan zur Verfügung steht, sind Produktvideos. Ziel sollte es sein, das Produkt so realistisch wie möglich darzustellen und dadurch Kundenängste zu reduzieren. Produkte können mit einer Kamerafahrt zumindest so gezeigt werden, wie sie der Käufer durch Drehen und Wenden im Geschäft auch sehen würde. Natürlich lässt sich darüber streiten, ob für die Darstellung alltäglicher Produkte ein aufwendiges Produktvideo übertrieben ist. Die Techniker und Controller werden womöglich für die JPEG-Variante plädieren.
Doch für die Verwendung von Videos spricht nicht nur die Kaufrate. Beim Einkauf geht es eben nicht nur um Fakten, sondern um Psychologie. Bei erklärungs- und positionierungsbedürftigen Produkten ist der Unterschied zwischen Bild und Videodarstellung offensichtlich: Es lässt sich nicht nur die Bedienung und der Nutzen technischer Geräte verständlich darstellen, Produkte werden mit Hilfe von Videogeschichten auch emotionalisiert. Wie soll beispielsweise das Produktfoto einer Spielekonsole den Spaß übermitteln, den der Käufer beim Zocken haben wird? Ein kurzes Video animiert den User zum Kauf.
Ein weiterer Trend ist heute schon in den USA zu beobachten: Im Bereich Fashion werden die neusten Kollektionen online auf einem virtuellen Laufsteg den Surferinnen vorgestellt. Von ihrem Computer aus können sie sofort das gesamte Outfit mit den dazugehörigen Accessoires bestellen. Egal ob bei Kleidungsstücken, Möbeln oder zum Beispiel technischen Produkten, diese Entwicklung wird sich durchsetzen. Durch die Videodarstellung in der passenden Erlebniswelt wirken die Produkte viel authentischer als auf einem freigestellten Produktfoto.
Design nach Jahreszeit
Auch aus den Erfahrungen der Offlinewelt sollte ein Shopbetreiber schöpfen. Für uns als Konsumenten ist es eine Selbstverständlichkeit, dass je nach Jahreszeit die Geschäfte passend dekoriert sind. Von diesem Niveau sind wir im Internet noch weit entfernt. Eine flackernde GIF-Kerze oder ein Tannenzweig unterm Logo in der Adventszeit sind die zarten Vorboten der zukünftigen Entwicklung in den Webshops. Hier schlummert ein gewaltiges Potenzial und die Kunden am Computer müssen auch ohne den Duft von Esskastanien und Glühwein in Kauflaune versetzt werden. Erste Shops präsentieren bereits ihre Produkte passend zum Anlass in einem saisonalen Video.
Je nachdem, was der Shopbetreiber in seinem Portfolio anbietet, sollte er sich Gedanken um eigene Produktwelten, Geschichten und Anlässe machen. Ob Bekleidung, Möbel, Nahrungsmittel oder Dekorationsartikel: Die Einsatzbereiche von Produktvideos sind nahezu unbegrenzt und künftig nicht mehr wegzudenken.
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